Meine Vorstellung vom guten Leben

Die meisten Vorstellungen vom guten Leben sind sehr persönlich. Hier erzähle ich dir meine.

Für mich hat das gute Leben drei Seiten: mich, die anderen und die Welt.

Was ist gut für mich?

Ich glaube, dass jeder von uns weiß, was gut ist für sie oder ihn. Wir müssen nur wieder lernen uns selbst zuzuhören. Es geht nicht darum, uns und unser Leben zu optimieren. Es geht um den Mut, wir selbst zu sein. Ich möchte mein Leben so gestalten, dass es zu mir passt:

  • Ein gutes Gefühl: Ein gutes Leben für mich ist, wenn ich mich gut fühle. Wenn ganz grundsätzlich alles gut ist, so wie es gerade ist. Dazu gehört auch ein körperliches Gefühl. Das gute Leben heißt für mich, dass ich mich wohlfühle in meinem Körper. Gesund, stark, beweglich, geborgen.
  • Zeit für das, was wichtig ist: Das gute Leben hat für mich viel mit Zeit zu tun. Zeit für das, was mir guttut. Zeit für das, was mir wichtig ist. Ich möchte meine Arbeitszeit Themen widmen, hinter denen ich stehe. Ich möchte in meinem Alltag präsent sein und die Menschen um mich herum wahrnehmen können. Ich möchte Zeit haben Sachen zu hinterfragen und zu verstehen.
  • Das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein: Es geht mir nicht darum, immer wieder das nächste Ziel zu erreichen. Es geht mir um das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dass alles so weitergehen darf, wie es gerade angelegt ist. Ich möchte so leben, dass sich jeder Schritt, wie ein Schritt in die richtige Richtung anfühlt.

Was ist gut für die anderen?

Ich wünsche mir eine Welt, in der jeder Mensch ein gutes Leben führen kann – unabhängig von Geburtsort, Alter, Gender und sexueller Orientierung.

Es ist Zufall, wo wir geboren werden. Es hätte überall sein können.

Zurzeit führe ich ein Leben im Überfluss. Ich besitze mehr als ich brauche, ich habe mehr Essen als Hunger und mehr Luxusprobleme als wirkliche Sorgen. Das war nicht immer so.

Als ich geboren wurde, bestand Deutschland noch aus zwei Ländern. Ich kam 1985 in Berlin hinter der Mauer zur Welt. Als ich drei Jahre alt war ist mein Vater aus der DDR geflohen. Ein Jahr später, im Oktober 1989, ist meine Mutter mit mir über die Botschaft in Prag geflüchtet.

Wir sind die anderen.

Die Bilder der DDR Flüchtlinge in der Prager Botschaft erinnern mich an die Menschen, die in überfüllten Schlauchbooten nach Europa kommen. Sie haben nichts dabei, außer der Hoffnung auf ein gutes Leben.

Was ist gut für die Welt?

Ich empfinde mein Leben aktuell als sehr privilegiert. Dank dem großen Los in der Geburtsort-Lotterie habe ich sehr viele Möglichkeiten. Ich kann mein Leben gesund, sicher und selbstbestimmt gestalten. Es ist nicht selbstverständlich in Wohlstand zu leben. Auch in einer Demokratie zu leben ist nicht selbstverständlich.

Aus großer Kraft, folgt große Verantwortung.

Das ist kein Satz von mir, sondern von Spiderman. Wir sind alle von Geburt an Supermänner und -frauen. Wir haben immer Gestaltungsspielräume. Manchmal große und manchmal kleine.

Wir leben in Widersprüchen. Das heißt, wir können uns an vielen Stellen für ein gutes Leben entscheiden.

Ich möchte mich nicht in einer Heile-Welt-Blase verstecken. Ich bin durch meine Arbeit, meinen Konsum, meine Freizeit eingebunden in den Rest der Welt. Und damit bin ich in viele Widersprüche verstrickt. Indirekt profitiere ich von einer in vielen Punkten ungerechten Weltwirtschaft. Wir können nicht alle diese Widersprüche auf einmal auflösen. Aber wir können uns immer wieder neu für ein gutes Leben entscheiden.

Jeder Schritt zu einem guten Leben ist wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und Wellen schlägt.

Es ist egal, womit wir anfangen. Wir können bewusster konsumieren, unsere Beziehungen bewusster gestalten, uns einen Job mit Sinn suchen. Jede Veränderung bringt andere Veränderungen mit sich.

Du und ich können einen Beitrag dazu leisten, dass jeder Mensch ein gutes Leben führen kann. Dafür können wir jederzeit bei uns selbst anfangen.

Danke, dass du auf dem Weg bist! Schreibe mir jetzt, wobei ich dich unterstützen kann.