Es gibt genügend gute Jobs für alle

Hier erfährst du, was du tun kannst, wenn du keinen Job mit Sinn findest.

Es scheint gerade viele Menschen zu geben, die sich die Welt angucken und Veränderungsbedarf sehen. Viele dieser Menschen kommen zu mir ins Coaching und wollen herausfinden, wie sie ihr Leben gut gestalten können. Sie wollen Veränderungen anstoßen und dadurch zufriedener leben. Oft gehört dazu die Frage: Wo finde ich einen guten, sinnvollen Job, der mich nachhaltig glücklich macht? Oft haben sie schon gekündigt – wenn nicht äußerlich denn schon innerlich. Seinen Arbeitgeber zu verlassen ist nicht immer der richtige Weg. Vielleicht gilt auch für dich, dass du nicht deinen Job oder gar Beruf wechseln musst, um eine gute Arbeit zu finden.

Ein Gedankenexperiment

Ich möchte dich auf ein Gedankenexperiment einladen. Stell dir vor, alle Menschen setzen ihren Wunsch nach Veränderung tatsächlich in die Tat um. Sie wollen ab jetzt nur noch ihren Werten gemäß handeln. Sie wollen sich entfalten und das, was sie am besten können und was ihnen Spaß macht, für etwas Gutes einsetzen. Und jetzt stell dir vor, alle diese Menschen kündigen gleichzeitig ihre Jobs, fahren für ein paar Monate nach Indien und bewerben sich dann bei den NGOs, Stiftungen, Sozialunternehmen, die es schon gibt. Niemand würde sich darum kümmern, dass wir Bus und U-Bahn fahren können, in unseren Wohnungen warmes Wasser haben, bei der Krankenkasse anrufen können, usw.

Viele Wege für gesellschaftliche Veränderung

Was ich damit sagen möchte: Es ist gut, dass es nicht genügend vermeintlich sinnvollere Jobs gibt. Gesellschaftliche Veränderung funktioniert nicht, indem wir alles, was es bisher gibt, stehen und liegen lassen. Ich glaube gesellschaftliche Veränderung kann nur funktionieren, wenn wir an vielen Stellen unterschiedliches ausprobieren. Veränderung ist möglich, wenn es Menschen gibt, die stark genug sind, ihre Werte und Ideen in bestehende Unternehmen zu tragen. Wenn es Menschen gibt, die mutig genug sind, etwas Neues zu gründen. Und wenn es Menschen gibt, die radikal genug sind, um uns allen in kleinen Experimenten zu zeigen, wie man anders zusammenleben kann. Es gibt keinen Königsweg, um die Welt zu verändern. Es gibt viele verschiedene Wege.

Der Weg des Intrapreneurs

Wir könnten natürlich alle kündigen und darauf warten, dass sich die “bösen” Unternehmen von alleine verändern. Oder wir nehmen jetzt schon das Ruder mit in die Hand. Statt wegzugehen, bleiben wir da oder steigen ein. Wir lernen kennen, hinterfragen und zeigen Alternativen auf.

Das hat zum Beispiel Dennis Hoenig-Ohnsorg gemacht. Er ist seit Sommer 2015 Leiter Nachhaltigkeit & CSR bei Zalando. Darüber hinaus organisiert er seit vielen Jahren die Imagine Konferenz, eine Veranstaltung für Menschen, die wirken und sich mit ihren Fähigkeiten aktiv in und für unsere Gesellschaft einbringen möchten – im Kleinen und Großen. Über seine Erfahrung bei Zalando berichtet Dennis:

„Vor einem Jahr bat mich Zalando, mir als externer Experte ihre neue CSR-Strategie mal genauer anzuschauen. Was ich sah gefiel mir und zufällig suchte das Unternehmen gerade einen Quereinsteiger aus der „Non-Profit-Welt“ für die Umsetzung. Hier habe ich nun die Chance, bestehende Aktivitäten zu bündeln und den Bereich CSR neu aufzubauen – eine Herausforderung, die mich reizt. Meine Erfahrung aus den letzten zehn Jahren im innovativen Sozialsektor hilft mir sehr, z.B. beim Aufbau eines unternehmerischen Teams, wirkungsvollen Programmen und Partnerschaften. 

Ich lerne aber auch viel Neues von den vielen Kollegen, die intern in den verschiedensten Rollen gemeinsam mit mir an Nachhaltigkeitsthemen arbeiten. Nach Ashoka habe ich nun erneut ein Umfeld gefunden, bei dem ich im Flow bin und denke, wirklich etwas bewegen zu können.“

Natürlich ist dieser Weg nicht eins zu eins kopierbar. Kein Lebensweg ist das. Was ich damit sagen möchte ist etwas anderes.

Es gibt so viele gute Jobs, wie es gute Menschen gibt

Auch wenn es sich vielleicht ein wenig kitschig anhört: Meiner Meinung nach gibt es so viele gute Jobs, wie es gute Menschen gibt. Andersrum: es gibt nichts, was per se sinnvoll ist. Es kommt immer darauf an, wer es macht und wie er oder sie es macht. Manche meiner Klienten haben Jobs, die andere als gut bezeichnen würden, trotzdem erleben sie ihre Tätigkeit nicht als sinnvoll. Um Sinn in deinen Berufsalltag zu bringen, musst du daher erst einmal herausfinden, was eine sinnvolle Tätigkeit für dich ausmacht. Etwas ähnliches hat auch Dennis bei den Teilnehmenden der Imagine Konferenz beobachtet:

„Aus meiner Erfahrung von Imagine kann ich jedem jedoch nur raten, sich erstmal mit sich selbst zu beschäftigen, bevor man gleich die Welt retten will. Nur wer seine Stärken und das Umfeld kennt, in dem er diese auch wirklich ausleben kann, hat eine Chance einen Job zu finden, in dem er gut wirken kann. Coaching, niedrigschwelliges Ausprobieren und Gespräche mit Menschen die sich ähnliche Fragen stellen können da helfen.“

Was heißt das für dich? Es reicht nicht aus, nach einem sinnvollen Job in der Geschenkverpackung mit deinem Namen drauf zu suchen. Wenn du wirklich etwas verändern möchtest, musst du bereit sein, dich auf eine Reise zu machen.

Deine persönliche Reise zu mehr Sinn

Du wirst auf deiner Reise zu deinem guten Job viel über dich selbst erfahren. Welche Themen bewegen dich wirklich? Was brauchst du für Rahmenbedingungen, um etwas erreichen zu können? Wann erlebst du Sinn: Wenn du Strukturen schaffst oder wenn du greifbare Ergebnisse erzielst? Welche Spielräume hast du möglicherweise jetzt schon? Welche Veränderung bist du bereit in deinem Leben zuzulassen? Wer kann dich unterstützen?

Dieser Prozess erfordert von dir Geduld, Mut, Offenheit und vor allem radikale Ehrlichkeit mit dir selbst. Um wen oder was geht es dir eigentlich bei deinem Wunsch nach mehr Sinn? Welche Auswirkungen erhoffst du dir für dich und dein Leben? Welche Wirkung möchtest du gerne in der Welt hinterlassen?

Mache dich jetzt auf die Reise

Im Reiseführer findest du alles, was du brauchst.

Du willst nicht nur Geld verdienen, sondern Gesellschaft mit gestalten und Verantwortung übernehmen. Und diese Verantwortung fängt immer bei dir selbst an. Warte nicht darauf, dass dir jemand eine Möglichkeit bietet Sinn zu stiften. Mach dich auf den Weg, um dir diese Möglichkeit selbst zu schaffen. “Absprung” ist die Entscheidung ab sofort dir selbst treu zu sein. Vielleicht ist der nächste Schritt noch klein und noch nicht perfekt. Wichtig ist, dass du ausprobierst, dazu lernst, und dich mit anderen Sinnsuchenden vernetzt. Und irgendwann kommst du an. Wenn du dran bleibst, wirst du Gutes tun. Versprochen.

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