Zeitwohlstand. Nie mehr keine Zeit haben.

Nachdem ich mich jahrelang mit dem Thema Zeitmanagement beschäftigt habe, habe ich jetzt festgestellt, dass ich dabei einen Fehler gemacht habe: Ich habe versucht das falsche Problem zu lösen. In diesem Artikel erkläre ich dir, was das eigentliche Problem ist und wie gutes Zeitmanagement funktionieren kann. Der Text ist eine Einladung, deine Vorstellung von Zeit auf den Kopf zu stellen.

Kennst du das Gefühl, von einem Ort zum anderen zu eilen?

Von Aufgabe zu Aufgabe zu hetzen und trotzdem nicht fertig zu werden? Früher aufzustehen, länger zu arbeiten und trotzdem nicht genügend Zeit zu haben? Das ist Zeitmangel und der ist 2018 in Deutschland weit verbreitet. Fast alle Menschen, die ich kenne sind davon betroffen.

Wir leben im Zeitmangel und erhöhen den Druck durch Optimierung.

Weil ich als Freiberuflerin (und auch als Teilzeit-Angestellte) oft viele Projekte parallel verfolge, habe ich viele Zeitmanagement-Seminare besucht. Was ich dabei gelernt habe, ist, wie ich mich zu noch mehr Leistung antreiben kann. Das passt gut zum Trend der Selbstoptimierung: In weniger Zeit mehr erreichen. Egal ob es um die Arbeit, Sport oder Freizeit geht, wir wollen immer mehr Output mit möglichst wenig Input.

Schnell entspannt durch 10 Minuten Power-Meditation.

Dabei ist uns durchaus bewusst, dass wir als Menschen Pausen brauchen, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und so weiter. Theoretisch haben wir verstanden, dass es wichtig ist, unsere natürlichen Grenzen zu achten. Wir wissen, dass wir eine Balance aus Anspannung und Entspannung brauchen. Was allerdings paradox ist: Wir übertragen die Logik des „höher, schneller, weiter“ auf Bereiche, wo sie gar nicht sinnvoll ist: schnell entspannen per Power-Meditation, fünf Verabredungen am Wochenende, um alle zu sehen, aber für niemanden Zeit  haben.

Wir bekommen alles unter einen Hut, aber es tut uns nicht gut.

Auf Dauer macht das Gehetztsein krank. Dazu gibt es zahlreiche Studien, die zum Beispiel zeigen, dass die Zahl psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren konstant gestiegen ist. Auf der persönlichen Ebene macht sich der Zeitmangel auch daran bemerkbar, dass es immer schwieriger wird, mit Familie und Freunden gemeinsame „Termine“ zu finden. Glücklich macht uns die Selbstoptimierung also nicht.

Wir brauchen ein neues Zeitgefühl.

Das ist auch der Denkfehler, den ich lange gemacht habe: Ich habe versucht möglichst viel  in meiner Zeit zu erreichen. Das hat dazu geführt, dass sich meine Zeit immer als „zu wenig“ angefühlt hat. Das klassische Gefühl von Zeitmangel. Die Alternative dazu ist Zeitwohlstand. In erster Linie ist Zeitwohlstand eine Einstellung. Im zweiten Schritt bringt diese Einstellung Veränderung in dein Leben.

Zeitwohlstand bedeutet, dass du immer genügend Zeit hast.

Zeitwohlstand ist ein neues Denkmuster. Natürlich hat jeder Tag weiterhin 24 Stunden. Das ist so. Daran ändert auch die beste Zeitmanagementstrategie nichts. Die gute Nachricht: Solange wir leben, folgt auf jede Stunde die nächste und nach jedem Tag fängt ein neuer Tag an. Solange wir leben, haben wir Zeit. Wir sitzen an einer sprudelnden Quelle und können immer wieder neu entscheiden, für was wir das Wasser (unsere Zeit) nutzen. Das Wasser versiegt nicht. Es ergibt keinen Sinn, gestresst zu sein. Wir können gar nicht zu wenig Zeit haben. Wir haben immer gleich viel Zeit – und eine Fülle an Möglichkeiten.

Zeit haben für das Wesentliche.

Jetzt bist du wahrscheinlich irritiert, warum heißt es Zeitwohlstand, wenn wir genauso viel oder wenig Zeit zur Verfügung haben wie vorher? Dann reicht es ja immer noch nicht, um gleichzeitig Vollzeit zu arbeiten, ein Buch zu schreiben, Marathon zu laufen, perfekte Geschenke selbst zu basteln, eine Yoga-Ausbildung zu besuchen, ein Fernstudium zu absolvieren und eine tolle Partnerin, Freundin und Mutter zu sein. Das stimmt. Aber der Begriff Zeitwohlstand hilft uns, eine neue Frage zu stellen: Was ist wirklich wichtig?

Wer Zeitwohlstand erleben will, braucht Klarheit.

Zeitwohlstand als Lebensgefühl funktioniert, wenn du weißt, was dir wirklich wichtig ist. Wenn du Klarheit hast, was du jetzt gerade brauchst. Das klingt sehr viel leichter als es ist. Vielen Menschen hilft es, regelmäßig zu meditieren oder Yoga zu machen. Andere Menschen brauchen immer wieder Zeiten für sich, in der Natur, bei einem Spaziergang oder einer Tasse Tee. Aus dem Denkmuster des Zeitmangels heraus war die zentrale Frage für gutes Zeitmanagement: Wie kann ich möglichst viel erreichen?

Aus dem Denkmuster des Zeitwohlstands heraus sind die zentralen Fragen für gutes Zeitmanagement:

  • Was brauche ich, um zu erkennen, was wirklich wichtig ist?
  • Wie kann ich mein Leben daran ausrichten?

Zeitwohlstand ist eine Reise.

Die ersten Schritte in Richtung Zeitwohlstand kannst du leicht umsetzen. Finde deine Lieblingsstrategien, um Klarheit für dich zu schaffen. Unterhalte dich mit anderen, was ihnen wirklich wichtig ist. Nutze die Spielräume, die dein Alltag bietet, um Zeit für das Wesentliche zu haben. Das liegt alles in deiner Hand. Es wird aber auch Bereiche geben, in denen du dich abstimmen musst. Wie können zum Beispiel du und deine Kolleginnen aufeinander achten? Was ist das Wesentliche in deiner Partnerschaft?

Gesellschaftlicher Wandel fängt bei dir an.

Wenn du anders mit deiner Zeit umgehst, wird sich auch unsere Gesellschaft nach und nach verändern. Noch ist ein voller Terminkalender für viele ein Statussymbol. „Ich habe Stress, weil ich so wichtig bin“ ist die Message. Meiner Meinung nach ergibt das Gegenteil viel mehr Sinn: „Ich nehme mir regelmäßig Zeit für mich, weil ich so wichtig bin“.

In diesem Sinne, Danke, dass du dich auf den Weg machst. Die Welt braucht weniger zeitoptimierte Roboter und mehr echte Menschen. Die Welt braucht dich.

Wie geht es dir im Alltag mit dem Thema Zeit?

Wenn du magst, schreib mir, woran du beim Thema Zeit immer wieder scheiterst – und welche Erfolgsstrategien du schon gefunden hast. Alle Fragen und Antworten wirst du dann gesammelt in meinem nächsten Buch „Zeit für das Wesentliche“ finden. Es erscheint wahrscheinlich 2019. Hier kannst du dich über den aktuellen Stand informieren und das Manifest lesen, an dem ich mich beim Schreiben orientiere.