Work-Life-Balance. Warum wir arbeitsfreie Räume brauchen.

Der Begriff Work-Life-Balance wurde viel kritisiert. Zu Recht. Trotzdem wäre es fatal, wenn wir ihn wieder abschaffen. Es ist einer der besten Begriffe, die ich kenne. Warum? Weil wir arbeitsfreie Räume brauchen. Und wir können sie nur schützen, wenn wir sie klar benennen. Dieser Text erklärt dir warum und – noch viel wichtiger – wie du sie dir schaffen kannst.

Idealerweise fühlt sich auch unsere Arbeit nach Leben an

Seit der Erfindung des Begriffs Work-Life-Balance wurde die strenge Trennung zwischen Arbeitszeit und anderer Zeit immer wieder kritisiert. Götz Werner, der Gründer der dm-Märkte und ein großer Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens, schlägt zum Beispiel vor, die Perspektive zu verändern und immer von Lebenszeit zu sprechen.

Die Idee dahinter: Wenn wir unsere ganze Zeit als Lebenszeit verstehen, verschwenden wir sie nicht. Dann machen wir Karriere mit Sinn, statt unser Gewissen morgens vor dem Büro stehen zu lassen und erst abends wieder mitzunehmen. So weit so gut.

Wir sind Kinder der Leistungsgesellschaft

Gleichzeitig haben wir in leistungsbezogenen Kontexten (Schule, Ausbildung, Uni, Beruf) vor allem gelernt zu funktionieren. Wir versuchen möglichst schnell, möglichst viel, möglichst perfekt zu erreichen. Vielleicht nicht immer und überall, aber das ist die Logik, an der wir uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts orientieren: höher, schneller, weiter.

Wir brauchen Freiräume für Pausen, Ruhe, Spielen, Emotionen, Kreativität

Gleichzeitig haben wir als Menschen aber noch andere Bedürfnisse als zu funktionieren und nach immer mehr zu streben. Wir wollen spielen, Spaß haben, kreativ sein, uns weiterentwickeln, Pausen machen und uns ausruhen. Das gehört zum Menschsein dazu. Und um diese Räume zu schützen, brauchen wir Begriffe.

Work-Play-Balance, Work-Joy-Balance, Work-Being-Balance, …

Der Begriff Work-Life-Balance ist hilfreich, weil er die arbeitsfreien Räume von der Arbeitszeit abgrenzt. Vielleicht ist der Begriff Life nicht passen und Play, Joy oder Just being wären treffender. Wichtig ist, dass wir eine Unterscheidung finden. In der Sprache und vor allem in der Gestaltung unseres Alltags. Falls wir irgendwann dahin kommen, dass unsere Arbeit frei ist von Leistungsdruck oder finanziellen Sorgen, dann können wir auch diese Unterscheidung aufgeben.

Balance entsteht durch Ausprobieren

Die große Frage ist natürlich, wie es dir gelingen kann, diese Balance herzustellen. Am besten durch Ausprobieren! Es gibt kein Patentrezept, dass für uns alle funktioniert. Manche Menschen lieben den Wechsel aus schnellen und langsamen Phasen, andere brauchen ein konstantes Tempo. Vielleicht ist es für dich stimmig, Montag bis Freitag vor allem zu arbeiten, vielleicht brauchst du jeden Tag Sport, um ausgeglichen zu sein. Vertraue deinem Bauchgefühl. Du weißt, was eine gute Balance für dich ist.

Wovon hättest du gerne mehr?

Nimm dir am besten jetzt fünf Minuten Zeit, um ein Tortendiagramm von deinem Leben zu malen. Welche Tortenstücke gibt es? Arbeit, Freunde, Familie, Sport, Zeit für dich, Ehrenamt, Kultur, … Wie groß sind die einzelnen Tortenstücke aktuell? Das ist Schritt 1. Vertraue dabei deinem Bauchgefühl.

Male danach im zweiten Schritt ein weiteres Tortendiagramm: Wie würde eine ideale Aufteilung deiner Zeit und Energie aussehen?

Im dritten Schritt kannst du beide Torten vergleiche. Welcher Bereich wird kleiner, welcher größer? Überlege dann, wie du diesen Wunsch umsetzen kannst. Wenn zum Beispiel der Bereich für Freunde etwas größer wird, was bedeutet das konkret? Vielleicht willst du mit guten Freunden feste, regelmäßige Termine vereinbaren oder jetzt direkt einen Zug buchen, um eine gute Freundin in einer anderen Stadt zu besuchen.

Das gute Leben entsteht Schritt für Schritt

Nimm dir zwei oder drei kleine Schritte vor, um deinen Alltag deinem Ideal anzupassen. Damit sorgst du gut für dich selbst und kannst auch besser für andere da sein.

Pass gut auf dich auf. Die Welt braucht dich.

Lust auf mehr? In diesem Artikel findest du eine Anleitung zum Work-Life-Planning.