Widersprüche. Warum wir anders handeln als wir selbst für richtig halten.

Widersprüche. Warum wir anders handeln als wir selbst für richtig halten.

Wir wissen, dass Fliegen nicht gut ist fürs Klima, aber machen es trotzdem. Wir wissen, dass es Unverpackt-Läden gibt, aber kaufen trotzdem das in Plastik verpackte Gemüse im Supermarkt um die Ecke. Kennst du das?

Dieser Artikel lädt dich dazu ein, die vermeintlichen Widersprüche zu hinterfragen. Die These: Wir handeln nie widersprüchlich, sondern immer vollkommen logisch. Wir müssen nur verstehen inwiefern. Wenn du dich auf die neue Perspektive einlässt, wird es dir leichter fallen, deine Nachhaltigkeits-Vorsätze tatsächlich umzusetzen. Ich freue mich, wenn du mir von deinen Erfolgen berichtest!

Wir werden unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht.

Eigentlich würden wir gerne klimaneutral und nachhaltig leben. Aber irgendwie setzen wir unsere Vorsätze im Alltag dann doch nicht immer um. Beispiel gefällig? Ende Oktober habe ich den ersten Hamburger Climathon moderiert. Eine ganz wunderbare Veranstaltung, bei der 24 Stunden am Stück fokussiert an Klimaherausforderungen gearbeitet wurde. So weit so gut. Im Anschluss an die Veranstaltung bin ich direkt zum Flughafen gefahren, um in den Urlaub zu fliegen. Das ist widersprüchlich!

Es klafft eine Lücke zwischen unserem Denken und unserem Handeln.

Bevor wir die Idee der Widersprüche kritisch hinterfragen, lass uns einmal schauen, was es bewirkt zu sagen „das ist widersprüchlich“. Zum einen erkennen wir damit die Lücke zwischen unserem Wollen und Handeln an. Wir weisen uns selbst und andere darauf hin, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden sind. Auf der anderen Seite, bleibt aber die Frage der Verantwortung ungeklärt. Beziehungsweise, noch besser, wir können die Verantwortung ganz abgeben, in dem wir so etwas hinzufügen wie „wir leben halt in widersprüchlichen Zeiten“ oder „unsere Gesellschaft ist eben nicht auf nachhaltiges Verhalten ausgelegt“.

Wir haben die Verantwortung. Und handeln vollkommen logisch.

An dieser Stelle möchte ich dich einladen dein Denken auf den Kopf zu stellen. Wir verhalten uns nicht widersprüchlich – sondern vollkommen logisch. Wir müssen nur erkennen aus welcher Perspektive unser Verhalten Sinn macht. Um beim Beispiel des in den Urlaub Fliegens zu bleiben. Was ist daran sinnvoll? Man kommt schneller voran als mit Bahn oder Auto, kann also in kürzerer Zeit weiter weg reisen. In der Regel bedeutet das, wärmeres Wetter und mehr Sonnenschein. Häufig spart man sogar Geld im Vergleich zu anderen Transportmitteln. Klassische Urlaubsziele von Flugreisen bieten attraktivere Fotomotive – tropischer Strand statt strahlend graue Nordseeküste. Je nach sozialem Umfeld ist eine Flugreise auch ein Statussymbol, das zeigt, dass du dazu gehörst. Das sind sehr viele „Vorteile“! Es ist absolut logisch, in den Urlaub zu fliegen!

Wer seinen eigenen Ansprüchen gerecht werden möchte, muss sehr ehrlich mit sich sein.

Was ich damit sagen möchte: Wenn du wirklich die Verantwortung für deine Handlungen und ihre Konsequenzen übernehmen möchtest, dann musst du dich selbst hinterfragen. Aus welcher Perspektive heraus, macht dein Verhalten Sinn? Welche Prioritäten verbergen sich dahinter (soziale Anerkennung, Kostenoptimierung, …)? Was sind die Prioritäten, die du dafür hintenanstellst (ökologischer Fußabdruck, Achtsamkeit, …). Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Veränderung. Nur wenn du klar weißt, was deine Prioritäten sind, kannst du dein Verhalten daran ausrichten.

Ein erhobener Zeigefinger ist selten zielführend.

Diese Perspektive kann dir übrigens auch helfen, andere besser zu verstehen. Wenn uns etwas wichtig ist – so wie unser ökologischer Fußabdruck – setzen wir uns oft auch gegenüber anderen dafür ein und wollen sie von unserer Ansicht überzeugen. Aber: Die meisten Menschen wissen selbst, wenn sie sich nicht nachhaltig verhalten. Sie brauchen deinen erhobenen Zeigefinger nicht. Was eher hilft, ist ein ehrliches und unvoreingenommenes Interesse für die Hintergründe ihres Verhaltens. Wir haben während unserer Sozialisation alle ähnliche Gedankenmuster mitbekommen. Verurteile die anderen nicht – und dich selbst bitte auch nicht.

Fazit: Wir können mehr verändern als wir uns zugestehen.

„Mir war es wichtiger nochmal in die Sonne zu kommen als C02 zu sparen“, ist ein ehrlicher und verantwortungsvoller Satz. Er beinhaltet die Möglichkeit zur Veränderung. Ganz anders als „Wir leben halt in widersprüchlichen Zeiten“.

Wir haben alle Spielräume, die wir nutzen können – wenn wir es wollen. Natürlich leben wir nicht im luftleeren Raum und natürlich gibt es Strukturen (z.B. Preise von Flügen und Zügen), die uns verführen oder zumindest das nachhaltige Leben nicht leichter machen. Aber verantwortlich für unsere Entscheidungen sind immer noch wir. Danke, dass du dich auf den Weg machst – die Welt braucht dich!

Du kommst alleine nicht voran?
Im Coaching wirst du dir deiner Stärken wieder bewusst, gewinnst neue Klarheit und fühlst dich ermutigt, deinen Weg voller Tatendrang zu gehen.

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